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NEUHAUS FINANZ CONSULTING

Vererben und Schenken

Mehrstöckige Wohnhäuser in Berlin mit einer roten Fassade, Balkonen und Erkern unter leicht bewölktem Himmel.

Haus an Kinder vererben oder verschenken? Wann eine Schenkung wirklich sinnvoll ist

Viele Eigentümer von Immobilienvermögen stellen sich irgendwann die Frage, ob die Übertragung des Vermögens bereits zu Lebzeiten erfolgen sollte oder ob eine Vererbung ausreichend ist. Auslöser sind meist steuerliche Überlegungen. Nicht selten hört man die Empfehlung, Immobilien möglichst frühzeitig auf die Kinder zu übertragen, um später Erbschaftsteuer zu sparen. Tatsächlich ist diese Fragestellung deutlich komplexer.
Denn die Überlegungen betreffen nicht nur Immobilien. Die gleichen Grundsätze gelten ebenso für:
Die entscheidende Frage lautet daher:

„Ist eine Schenkung in meiner konkreten Situation überhaupt sinnvoll?"

Die Schenkung ist kein Selbstzweck

In vielen Familien wird sofort über steuerliche Gestaltungen gesprochen. Tatsächlich sollte die Analyse deutlich früher beginnen.
Vor jeder Entscheidung sollten folgende Fragen beantwortet werden:
  • Wie hoch ist das Gesamtvermögen?
  • Wem gehören die einzelnen Vermögenswerte?
  • Welche Freibeträge stehen zur Verfügung?
  • Wie sieht die testamentarische Gestaltung aus?
  • Wer soll im ersten Erbfall erben?
  • Wer soll Vermächtnisse erhalten?
  • Welche Vermögenswerte sollen langfristig in der Familie gehalten werden?
Erst danach lässt sich beurteilen, ob eine Vermögensübertragung zu Lebzeiten wirtschaftlich und steuerlich sinnvoll sein kann.

Die wichtigsten Erkenntnisse vorab

Eine Schenkung ist kein Selbstzweck.
Die Höhe des Gesamtvermögens allein reicht für die Beurteilung nicht aus.
Ebenso wichtig sind die Eigentumsverhältnisse innerhalb der Familie.
Testamente und Vermächtnisse beeinflussen die spätere Erbschaftsteuer erheblich.
Freibeträge können alle zehn Jahre erneut genutzt werden.
Gerade bei Immobilien können Wertsteigerungen eine frühzeitige Übertragung interessant machen.

Reichen die Freibeträge überhaupt aus?

Warum die Vermögensverteilung eine entscheidende Rolle spielt
Oft liest man die Aussage:
„Ein Ehepaar mit zwei Kindern kann Vermögen von 1,6 Mio. € steuerfrei übertragen."
Diese Aussage ist grundsätzlich richtig, greift aber häufig zu kurz. Die theoretischen Freibeträge betragen:
Übertragung Freibetrag
Vater an Kind 1 400.000 €
Vater an Kind 2 400.000 €
Mutter an Kind 1 400.000 €
Mutter an Kind 2 400.000 €
Summe 1.600.000 €

Freibeträge und Steuern

Freibeträge

Ehegatten
500.000 €
Kinder
400.000 €
Enkelkinder
200.000 €
Eltern und Großeltern (im Erbfall)
100.000 €
Geschwister, Nichten und Neffen
20.000 €
Schwiegerkinder
20.000 €
Sonstige Personen
20.000 €

Steuersätze nach Steuerklasse

Erwerb Kl. I Kl. II Kl. III
bis 75.000 € 7 % 15 % 30 %
bis 3000.000 € 7 % 15 % 30 %
bis 600.000 € 7 % 15 % 30 %
bis 6 Mio. € 7 % 15 % 30 %
bis 13 Mio. € 7 % 15 % 30 %
bis 26 Mio. € 7 % 15 % 30 %
über 26 Mio. € 7 % 15 % 30 %

Wann eine Schenkung häufig keinen Vorteil bringt

Beispiel:
Unterstellt man eine ausgewogene Vermögensverteilung und eine passende erbrechtliche Gestaltung, entsteht regelmäßig keine Erbschaftsteuer.
Eine Schenkung kann hier sinnvoll sein, muss es aber nicht.

Wann eine Schenkung interessant werden kann

Eine Schenkung wird häufig interessant, wenn:

Praxisbeispiel: Vermögen von 2 Mio. Euro

Selbst bei günstiger Vermögensverteilung liegt das Vermögen bereits oberhalb der theoretisch verfügbaren Freibeträge. Kommen künftig Wertsteigerungen hinzu, wächst die mögliche Steuerbelastung weiter.
In solchen Fällen kann eine schrittweise Vermögensübertragung zu Lebzeiten sinnvoll sein.

Die Bedeutung der Zehnjahresfrist

Der größte Vorteil einer Schenkung liegt häufig nicht im Steuersatz. Entscheidend ist die Möglichkeit, Freibeträge mehrfach zu nutzen. Die Freibeträge stehen alle zehn Jahre erneut zur Verfügung.
Dadurch können über einen längeren Zeitraum deutlich höhere Vermögenswerte steuerfrei auf die nächste Generation übertragen werden.

Wirtschaftliche Risiken einer Schenkung

Steuerliche Vorteile sollten niemals isoliert betrachtet werden. Vor jeder Vermögensübertragung sollten insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
Reicht das Vermögen auch im Alter?
Was passiert bei einer Scheidung der Kinder?
Was passiert bei einer Insolvenz?
Wer trifft künftig die Entscheidungen?

Nießbrauch: Eigentum übertragen, Erträge behalten

Bei Immobilien wird häufig ein Nießbrauchrecht vereinbart.
Dadurch:
Gerade bei vermieteten Immobilien gehört der Nießbrauch deshalb zu den am häufigsten genutzten Gestaltungsinstrumenten.

Familiengesellschaften bei größeren Vermögen

Mit zunehmender Vermögensgröße stoßen Einzelübertragungen häufig an ihre Grenzen.
Typische Anwendungsfälle:
Familiengesellschaften ermöglichen es häufig, Vermögen schrittweise zu übertragen und gleichzeitig die Verwaltung sowie die Kontrolle strukturiert zu regeln.

Fazit

Die Frage, ob Vermögen verschenkt oder vererbt werden sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Höhe des Vermögens ist lediglich einer von mehreren Faktoren.
Ebenso wichtig sind:
Eine Schenkung ist deshalb kein Selbstzweck. Sie wird vor allem dann interessant, wenn die vorhandenen Freibeträge nicht ausreichen, erhebliche Wertsteigerungen zu erwarten sind oder die Nachfolgestruktur eine frühzeitige Gestaltung sinnvoll erscheinen lässt.
Wer ausschließlich auf die Höhe des Vermögens schaut, greift regelmäßig zu kurz. Erst das Zusammenspiel von Vermögenshöhe, Vermögensverteilung und erbrechtlicher Gestaltung ermöglicht eine fundierte Entscheidung.

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